Vorwort

Es ist die alte Frage, die uns derzeit bewegt: Ist das Glas halb-voll oder halb-leer? Hoffnung und Enttäuschung halten sich derzeit die Waage, wenn wir auf die Entwicklung des Konflikts zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und Iran blicken.

Hoffnung keimte auf, als sich im September am Rande der UN Vollversammlung in New York die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem iranischen Staatspräsidenten Hassan Rouhani traf. Hoffnung keimte auch auf bei dem Versuch des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron, ein Treffen zwischen den beiden Präsidenten Donald Trump und Hassan Rouhani zu arrangieren. Entsprechend groß war die Enttäuschung über das Scheitern dieser Bemühungen. Die Bedingungen, zu denen Gespräche aufgenommen werden könnten, seien von den Beteiligten immer „so gestrickt“, dass sie eben nicht zustande kämen, bedauerte die deutsche Bundeskanzlerin.

Derweil leidet die iranische Wirtschaft weiter unter den US-Sanktionen und der deutsch-iranische Wirtschaftsaustausch mit ihr. In den ersten sieben Monaten 2019 sind die deutschen Exporte nach Iran um 47 Prozent zurückgegangen. Die iranischen Exporte nach Deutschland sogar um 57 Prozent. Insgesamt ist das Handelsvolumen um knapp 50 Prozent eingebrochen.

Das ist bedauerlich für beide Seiten. Für iranische Firmen, die den Handel mit Deutschland suchen und großes Interesse an einer Zusammenarbeit haben. Für deutsche Firmen, die moderne und technologiegetriebene Lösungen anbieten könnten für drängende Probleme des Landes, wie zum Beispiel das Thema Wasser und Wasseraufbereitung, wie das Thema Abfallmanagement und Recycling, wie das Thema Energieeffizienz und auch wie das Thema Sicherheit im Straßenverkehr. Solange die politische Basis nicht geschaffen ist, kann dieses Dilemma nicht grundlegend beseitigt werden.

Sehr wohl möglich ist es aber, den Wirtschaftsstandort Iran auf die Zeit nach den Sanktionen vorzubereiten. Der iranische Botschafter in Deutschland, Mahmud Farazandeh, weist in seinem Interview mit EINBLICK auf den engen Austausch des iranischen Parlaments mit dem Deutschen Bundestag in Bezug auf Verwaltungsfragen hin. Effizienz, Transparenz und Verlässlichkeit der öffentlichen Verwaltung sind ein wichtiges Kriterium bei Investitionsentscheidungen. Der Botschafter betont darüber hinaus den gemeinsamen Kampf der beiden Länder gegen Protektionismus. Internationalisierung von Wirtschaft und Wissenschaft bringt den Unternehmen und damit den Menschen den erforderlichen Zuwachs an Produktivität, Qualität und Modernisierung, auf dem der Fortschritt und der Wohlstand einer Gesellschaft beruht. Dafür lohnt es sich, trotz aller Widrigkeiten und zu allen Zeiten zu arbeiten und sich gemeinsam einzusetzen.

Ich wünsche Ihnen viel Freude und vertiefte Einblicke beim Lesen unseres Magazins

Dagmar von Bohnstein
Geschäftsführerin
Delegierte der Deutschen Wirtschaft in Iran