Vorwort

Die Potenziale nutzen – trotzdem!

Auch der letzte schwache Hoffnungsschimmer hat sich verflüchtigt: Die neuerlichen US- Sanktionen gegen Iran waren kein Warnschuss, sie waren keine vorübergehende Drohkulisse, sie waren kein Türöffner für Verhandlungen auf politischer Ebene. Die Sanktionen, die US-Präsident Donald Trump am 8. Mai 2018 als die härtesten aller Zeiten beschrieben hat, wurden wie angekündigt umgesetzt und bis heute schrittweise verschärft. Die vorerst letzte Stufe zündete am 09. Mai 2019 mit der Sanktionierung von Eisen, Stahl, Aluminium und Kupfer durch die USA.

Für Iran bedeutet das: Das Land ist zurück im Sanktionsmodus. Dabei gibt es nicht nur Verlierer, sondern durchaus auch Gewinn(l)er. Iranische Firmen, deren Auftragsbücher überlaufen, da die Konkurrenz aus dem Ausland wegbleibt. Die aber dadurch auch keinen Zwang zu Innovation und Produktivitätssteigerung sehen. Finanzdienstleister im In- und Ausland, die sich ihren Service teilweise teuer bezahlen lassen angesichts der Tatsache, dass deutsche und europäische Banken sich dem Iran-Geschäft fast ganz verweigern. Staatliche und semi-staatliche Unternehmen, die sich der Subventionierung durch die iranische öffentliche Hand sicher sein können, um die nationale Wirtschaft so gut es geht am Laufen zu halten.

Für ausländische und insbesondere deutsche Firmen, die das politische Tauwetter nach Abschluss des JCPOA genutzt hatten, um Iran für sich als Markt zu erschließen bzw. zu alter Stärke im Land zurückzukehren, stellt sich nun erneut die Gretchenfrage: Gehen oder bleiben? Die Antwort ist eine unternehmerische Entscheidung. Das Potenzial ist nach wie vor da für deutsche Firmen in Iran: im Maschinen- und Anlagenbau, in der Medizintechnik, in der Pharmaindustrie, bei Erneuerbaren Energien, in der Umwelttechnologie. Insgesamt ist die Bedeutung des Außenhandels für die deutsche Wirtschaft erheblich. Staatssekretärin Claudia Dörr-Voß erläutert in ihrem Interview mit Einblick die globale Verflechtung der deutschen Unternehmen – der ganz großen wie auch des Mittelstands - und deren Abhängigkeit u. a. vom europäischen, aber auch vom US-amerikanischen Markt.

Die Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium steht in unserem Magazin gleichzeitig symbolhaft für erfolgreiche Frauen, die in Politik und Wirtschaft ihren Platz besetzt haben – in Deutschland wie in Iran. Ihr Gegenpart auf iranischer Seite ist Mahla Zamani. Auch sie ist eine anerkannte und erfolgreiche Größe im Wirtschaftsleben. Claudia Dörr-Voß und Mahla Zamani ermutigen mit ihren Karrieren die vielen jungen, gut ausgebildeten Frauen in beiden Ländern, ihren Weg zu gehen, ihren Platz zu beanspruchen, ihr Potenzial zu nutzen. Die besten Wünsche der AHK Iran, ihrer Vorständin Nasanin Bahmani und ihrer Geschäftsführerin begleiten Sie dabei!

Ich wünsche Ihnen viel Freude und vertiefte Einblicke beim Lesen unseres Magazins

Dagmar von Bohnstein

Geschäftsführerin
Delegierte der Deutschen Wirtschaft in Iran