Auf ein wort

Große Chance für mittelständische Firmen!

“Every man thus lives by exchanging.”
Adam Smith1

Dieser sehr zutreffende Grundsatz stellte vor über 200 Jahren einen Eckpfeiler der klassischen Außenhandelstheorie dar, welche bis heute nicht an Aktualität verloren hat oder von der Empirie Lügen gestraft wurde. Adam Smith führt mit seinem Werk den sogenannten absoluten Kostenvorteil ein, welcher, kurz zusammengefasst, veranschaulicht und beweist, dass der Handel zwischen Nationen und die damit verbundene internationale Arbeitsteilung, allen(!) Ländern einen Vorteil verschafft, die an diesem Prozess teilnehmen.

Die Ausführungen des großen Denkers und Begründers der klassischen Nationalökonomie Adam Smith sollten auch heute nicht nur für die Händler, Fabrikanten, Arbeiter, schlichtweg die Arbeitnehmer und Arbeitgeber, sondern auch den Politikern unserer Zeit eine Lehre sein und haben ebenfalls Relevanz für die deutsch-iranischen Handelsbeziehungen:

Als Unternehmer in Iran, welcher vor fast 10 Jahren eine Firma vor Ort gegründet hat, kann ich die folgenden Punkte als Erfahrung aus dem täglichen Geschäft bestätigen und in meiner Funktion des exklusiven Vertreters mehrerer deutscher Firmen der Kosmetik- und Medizinbranche gilt festzustellen, dass es mit Sicherheit zum jetzigen Zeitpunkt genug Gründe aus deutscher Sicht gäbe, dem Iran als Geschäfts- und Handelspartner den Rücken zu kehren. Eingeleitet durch die Sanktionen der USA, welche auf das Aufkündigen des JCPOA folgten, haben sich im letzten Jahr die Bedingungen für deutsch-iranische Geschäfte deutlich erschwert. Leider sind die Tiraden und Drohungen aus Washington gerade bei den europäischen Banken auf fruchtbaren Boden gefallen und neben der Angst, ihre Absätze auf dem amerikanischen Markt zu verlieren, limitieren die eingeschränkten Bankbeziehungen zu Iran das internationale Geschäft für interessierte Firmen erheblich. Auch dürften interne Faktoren wie die signifikante Devaluation des Rials und die Regulierungsflut des iranischen Zolls und der Zentralbank (CBI) nicht gerade dazu beigetragen haben, den Außenhandel zu beleben und die leider oft auf täglicher Basis geänderten Gesetze und Vorschriften in Bezug auf den Import, Geldtransfer und den Binnenmarkt machen den iranischen Firmen das Leben schwer.

Dennoch werden in der obengenannten Diskussion leider allzu oft die Chancen, welche auch ich mit meiner Firma gerade erfahre, ausgelassen, die sich durch die jetzigen Bedingungen, gerade für mittelständische Unternehmen, ergeben. Durch das Ausscheiden vieler großer, ausländischer Firmen auf dem iranischen Markt aber auch durch den finanziellen Druck, der kleinere iranische Firmen zur Aufgabe gezwungen hat, ist eine Lücke entstanden, die nun darauf wartet, gefüllt zu werden. Haben die Global Player keine Chancen ihre Rechtsabteilungen davon zu überzeugen, dem Verbleib in Iran zuzustimmen, weisen gerade kleinere und mittelständische Unternehmen aus Deutschland die nötige Flexibilität und Kompetenz auf, um in Iran bestehen zu können und das Geschäft fortzuführen. Es ist nicht verwunderlich nach den hohen Strafzahlungen in den USA, dass die Hausbanken großer Firmen mit Namen wie Commerzbank oder Deutsche Bank sämtlichen Zahlungsverkehr mit Iran unterbinden, doch besteht die berechtigte Hoffnung darauf, dass die oft kleineren Sparkassen, Volksbanken und wie sie alle heißen mögen, sich hierbei offener zeigen, um die Geschäfte mit Iran, welche im Grunde aus europäischer Sicht nicht(!) illegal sind und keinem Gesetz widersprechen, zu gewährleisten.

Zu Guter Letzt bleibt zu hoffen, dass früher oder später die Sanktionen gegenüber Iran aufgehoben werden, um wieder einen freien und unbelasteten Zugang zum iranischen Markt zu realisieren. Dann werden auch die großen Player wieder anklopfen, um ihre angestoßenen und nicht vollendeten Projekte nach der Vereinbarung von 2015 erneut aufzunehmen. Firmen, welche auch zu Sanktionszeiten dem Iran treu geblieben sind, haben dann einen wertvollen Zeit- und Wettbewerbsvorteil und ihr Verbleiben vor Ort werden ihnen nicht zuletzt der Staat und die iranischen Verbraucher dankend in Erinnerung halten.

Somit würde auch endlich wieder die theoretische Annahme Smiths zutreffen und ausnahmslos alle von Sanktionen befreiten, beteiligten Nationen und Akteure erwirtschafteten sich bei diesem gegenseitigen Handeln einen Vorteil!

 

Michael Bitsch

Vizepräsident der AHK Iran
deutsch/iranischer Unternehmer

 

1 Smith, Adams. 1981. An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations. Liberty Classics: Indianapolis.