Handel mit Iran läuft noch längst nicht rund

07.11.17

Ein Jahr nach der Eröffnung einer niedersächsischen Wirtschaftsvertretung im Iran sorgen sich Unternehmer aus beiden Ländern um die Zukunft der schwierigen Handelsbeziehungen.

Alles hänge davon ab, wie sich die amerikanische Seite künftig verhalte, sagte der Außenhandelsexperte der IHK Niedersachsen, Tilman Brunner. US-Präsident Donald Trump verweigert dem Iran die Bestätigung, dass sich das Land an das Atom-Abkommen mit der Weltgemeinschaft hält. Das unter Trumps Vorgänger Barack Obama geschlossene Atom-Abkommen ist zwar noch nicht gekündigt, es herrscht aber Verunsicherung über den künftigen Kurs.

Damit seien für die Zukunft neue Sanktionen nicht ausgeschlossen. "Das verunsichert natürlich alle niedersächsischen Unternehmen, die auch mit den USA Geschäfte machen, weil sie damit rechnen müssten, auch in ihrem USA-Geschäft sanktioniert zu werden", sagte Brunner.

Gleichfalls sei es nach wie vor sehr schwer, Zahlungen mit dem Iran abzuwickeln. Es gebe zwar einzelne Banken, die inzwischen Transaktionen umsetzen, aber das größtenteils nur für ihre Bestandskunden. "Das heißt, wer eine Bank hat, die kein Iran-Geschäft abwickelt, muss seine Bank erst davon überzeugen."

Auch der Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen (UVN), Volker Müller, sieht die Zurückhaltung bei den Banken als einen wichtigen Grund dafür, dass die niedersächsische Repräsentanz noch nicht richtig erfolgreich ist. Am Montag vor einem Jahr war das Büro in Teheran offiziell eröffnet worden. Wegen rechtlicher Risiken in den USA sei im Moment keiner bereit, Risiken einzugehen. "Business ist wie ein scheues Reh und hat viel mit Emotionen zu tun", sagte er.

Die Perspektiven sind aus Wirtschaftssicht aber eindeutig vorhanden. Die Exporte würden zwar von Monat zu Monat stark schwanken, aber unterm Strich gebe es viel Potenzial, sagte Brunner.

"Das Angebot unserer Repräsentanz im Iran wird von der niedersächsischen Wirtschaft gut angenommen, und ich bin zuversichtlich, dass sich unser Engagement im Iran für unsere Wirtschaft auch auszahlen wird", sagte der niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD). Auch er wies aber auf die Verunsicherung durch den aktuellen Kurs der US-Regierung hin.

Auch von iranischer Seite fällt das Zwischen-Fazit nach einem Jahr eher verhalten aus. Iranische Unternehmer hätten sich deutlich mehr versprochen, sagte Tim Latif, Schatzmeister der Deutsch-Iranischen Industrie- und Handelskammer. Für sie sei eine Entwicklung der Wirtschaft nach der Unterschrift unter das Atomabkommen wichtig gewesen. Aber besonders die stark im Dollarraum engagierten deutschen Banken würden sich sehr stark zurückhalten und hätten große Angst vor US-Strafen. "Was im Grunde immer noch fehlt ist die Finanzierung der vielen Projekte."

"Leider sind die deutschen Unternehmer seit Trumps Anti-Iran-Äußerungen verunsichert", sagte Irans Botschafter in Berlin, Ali Madschedi. "Wir hoffen jedoch, dass die beiden Seiten auch dieses Problem ausräumen um den nach dem Atomabkommen eingeschlagenen Weg weiterführen können. Es wäre schade, wenn es nicht so wäre. Im Außenhandel gibt es 350 Großprojekte und der Iran plant 83 von denen mit Deutschland durchzuführen."

Laut Zahlen des niedersächsischen Wirtschaftsministeriums wurde 2014 Waren und Dienstleistungen im Wert von 93,1 Millionen in den Iran ausgeführt. Im Jahr 2016 habe der Export bei 138,5 Millionen Euro gelegen. Von Januar bis Juli 2017 habe das Exportvolumen knapp 93 Millionen Euro erreicht. Die Importe aus dem Iran lagen 2014 bei knapp 42,6 Millionen Euro und waren bis 2016 rückläufig, so das Ministerium. Die aktuellen Daten aus diesem Jahr deuteten aber auf eine Trendwende hin. Die Importe der ersten sieben Monate liegen mit 27,8 Millionen Euro über dem Jahreswert von 2016 mit 23,2 Millionen Euro. Importiert werden vor allem Nahrungsmittel und Gewürze.

Aus Sicht der Industrie- und Handelskammern rückt der Iran bereits an die Top 50 der niedersächsischen Exportländer heran. "Perspektivisch glauben wir, dass der Iran sich irgendwann wieder den Top 20 nähern kann", sagte Brunner. Der Nachholbedarf der iranischen Wirtschaft bei Anlagen und Maschinen sei riesig. Hauptexportbranchen seien die Autoindustrie sowie der Maschinen- und Anlagenbau.

Trotz des momentanen politischen Schwebezustandes habe das niedersächsische Büro in Teheran einen Wert, sagte Müller. Eine Schließung würde einen Riesenschaden anrichten. "Ich halte es in der jetzigen Situation für völlig richtig, dass es das Büro gibt. Es hat ganz viele Informations- und Begleitaufgaben."

Trotz aller Hindernisse fällt auch die Bilanz der Leiterin des Büros, Kamelia Karimi, positiv aus. In dem einen Jahr seien viele Beratungsgespräche mit niedersächsischen und iranischen Unternehmen geführt worden. "Ich konnte viele Unternehmen hilfreiche Tipps geben und auch Befürchtungen zum Handel mit dem Iran nehmen. Mehr als 10 Anfragen pro Woche wurden beantwortet", sagte sie. "Als einen Erfolg der ersten 365 Tage kann ich die erfolgreich durchgeführte Delegationreise der iranischen Geschäftsfrauen nach Niedersachsen nennen." Diese hätten vielfältige Kontakte zur niedersächsischen Wirtschaft geknüpft.

Schon seit September 2016 betreibt das Land zusammen mit der Deutsch-iranischen Industrie- und Handelskammer die Repräsentanz in Teheran. Am 6. November 2016 eröffnete Lies die Vertretung offiziell. Sie soll unter anderem Kontakte zu politischen und wirtschaftlichen Stellen vermitteln und niedersächsischen Unternehmen Informationen über den iranischen Markt geben.