Eine radikale Entscheidung

25.01.17

Sigmar Gabriel wird nicht Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten. Sein Rückzug ist eine Zäsur für ihn persönlich und seine Partei – mit offenem Ausgang.

Sigmar Gabriel wird nachgesagt, sehr sensibel zu sein. So sensibel, dass er selbst wohl am besten wusste, was gegen ihn als Kanzlerkandidat der SPD spricht. Gabriel kennt seine Wankelmütigkeit, seine bescheidenen Beliebtheitswerte. Und er weiß, dass Martin Schulz aus Sicht vieler Bürger der ernstzunehmendere Konkurrent für Angela Merkel ist.

Zu dieser Selbstwahrnehmung kommt die Wirkung auf andere. Schon länger ist klar, wie umstritten Sigmar Gabriel in den eigenen Reihen ist. Von "Führungsversagen" ist die Rede und von einem ramponierten Image als Parteichef.

Jetzt hat Gabriel die Konsequenzen gezogen. Der ZEIT sagte er, es sei seine Pflicht als Vorsitzender der SPD den Kanzlerkandidaten vorzuschlagen, der laut Umfragen bei den SPD-Sympathisanten am besten ankommt. Und das ist nicht er selbst, sondern Martin Schulz. 

Gabriels Rückzug ist radikal – seine Entscheidung hat viele bis in die Führung überrascht und die SPD erschüttert. Radikal auch, weil er damit möglicherweise seine politische Karriere beendet. Er gibt den wichtigen Parteivorsitz ab und will jetzt Außenminister werden. Was nach der Bundestagswahl auf ihn wartet, ist unklar. In Partei und Fraktion werden nun andere Führungsanspruch erheben und ob die SPD noch mal Teil einer Regierung wird, sei dahingestellt. 

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-01/sigmar-gabriel-spd-bundestagswahl-kanzlerkandidatur-verzicht