Deutsche Interessen im Iran

28.11.17

FOTO: TOGY

Interview der "The Oil and Gas Year"-Zeitschrift mit Amir Alizadeh

Amir Alizadeh, der stellvertretende Geschäftsführer der Deutsch-Iranischen Industrie- und Handelskammer (AHK), spricht mit TOGY über die Dynamik innerhalb des iranischen Marktes und die Rolle deutscher Unternehmen in der dortigen Öl- und Gasindustrie. Die AHK wurde 1975 gegründet, um die Deutsch-Iranischen Wirtschaftsbeziehungen zu fördern. In ihr sind 2500 Mitgliedsunternehmen organisiert, 80-90%  von diesen stammen aus dem Iran, der Rest aus Deutschland.

 

Zum Wissenstransfer: „Es existiert die Annahme, dass Iraner immer Investitionen und Finanzierung wollen. Das stimmt natürlich, aber es ist nicht das Einzige. Sie wollen auch in Know-How und Wissenstransfer investieren. Es geht nicht immer um ausländische Direktinvestitionen."

 

Zum iranischen Markt: „Der Iran ist ein sehr entwickeltes Land mit guter Infrastruktur, jungen und gut ausgebildeten Menschen und einer ganzen Menge Unternehmer, vor allem Frauen.“

 

Was sind die Erwartungen an die Marktdynamik im Iran?

Die Marktdynamik, vor allem nach dem South Pars Phase 11 Deal von Total im vergangenen Juli, ist verlockend. Es gibt viele Projekte, die bereitstehen, um finanziert zu werden, und das Land hat den Willen und die Sicherheit, diese Projekte voranzutreiben. Insbesondere der Petrochemie-Sektor wird einen großen Schub erfahren, seit die Regierung umfangreiche Investitionen im kommenden Jahrzehnt geplant hat. Meiner Meinung nach bleibt die einzige verbleibende Herausforderung die Integration des iranischen Finanzsektors in den internationalen. Hierfür muss auf beiden Seiten Arbeit geleistet werden. Die Europa müssen ihren Willen noch mehr unter Beweis stellen, die Iraner müssen cleverer agieren oder ihre Infrastruktur verbessern.

 

Welche Öl- und Gasprodukte und –services werden von deutschen Unternehmen am meisten nachgefragt im Iran?

Maschinen, industrielle Teile, Rohmaterialen wie Rohre, Platten und andere Ad-hoc-Produkte. Außerdem zu nennen sind technisches Know-How, IT-Lösungen, elektrische Geräte und weiteres. Im Allgemeinen ist alles, was in Raffinerien und petrochemischen Anlagen benötigt wird, von Know-How über Maschinenbau bis hin zu Maschinen, derzeit nachgefragt. Die Hauptstärke deutscher Unternehmen sind High-Tech-Lösungen. Die Zusammenarbeit mit deutschen Unternehmen geht in diese Richtung. 

 

Iranische Unternehmen fragen also vor allem an High-Tech-Lösungen von deutschen Unternehmen nach?

Ja. Es existiert die Annahme, dass Iraner immer Investitionen und Finanzierung wollen. Das stimmt natürlich, aber es ist nicht das Einzige. Sie wollen auch in Know-How und Wissenstransfer investieren. Es geht nicht immer um ausländische Direktinvestitionen.

 

In welcher Art und Weise haben die Geschäfte zwischen iranischen und deutschen Unternehmen sich seit dem JCPOA 2015 verbessert?

Von Juli 2015 bis Ende 2016 kamen mehr als 40 Wirtschaftsdelegationen aus Deutschland in den Iran, weit mehr als wir erwartet hatten. Auf Grundlage dieser Delegationen wurde uns klar, dass das Bild, das deutsche Unternehmen vom Iran hatten, insbesondere die neuen, nicht realistisch war. Durch die Reisen konnten sie ein realistischeres und positiveres Bild entwickeln. Der Iran ist ein sehr entwickeltes Land mit guter Infrastruktur, jungen und gut ausgebildeten Menschen und einer ganzen Menge Unternehmer, vor allem Frauen. Die deutsche Halle bei der Iran Oil Show kann als Beispiel hierfür dienen. Wir haben seit 2015 einen Aufwärtstrend erlebt, von 40 Unternehmen, die ihre Produkte und Dienstleistungen damals präsentierten hin zu 80 im Jahr 2016, 2017 sind es  130 Unternehmen.

 

Was ist der Hintergrund der AHK?

Die Deutsch-Iranische Industrie- und Handelskammer wurde 1975 gegründet, um die deutsch-iranischen Handelsbeziehungen zu stärlen und Unternehmen bei der Geschäftstätigkeit zu unterstützen. Vor der Revolution 1979 war Deutschland nach den USA der zweitgrößte Handelspartner des Iran, noch vor Japan, China und Indien. Wir waren all die Jahre in der Lage zu überleben, egal wie sich die Situation darbot, während des Krieges in den 1980er Jahren, der Revolution in den 1970er Jahren und den strengen Sanktionen, die in den letzten zehn Jahren verhängt wurden. Natürlich haben wir unsere Aktivitäten zwischen 2009 und 2013 etwas herabgestuft, nun aber sind wir wieder in Form.