Iran nach der Wahl

Seit dem Implementation Day am 16.01.2016 sind die EU-Sanktionen gegen den Iran teilweise aufgehoben worden. Viele deutsche Unternehmen richten nun ihren Blick auf den Iran. Am 19. Mai 2017 fanden die Präsidentschaftswahlen statt, ein bedeutender Tag für die 80 Millionen Iraner und die rund 100 deutschen Firmen, die im Iran über eine Produktionsstätte oder eine Niederlassung verfügen. Die Iraner haben sich für eine Fortführung der Reformen und Öffnung entschieden.

Amir Alizadeh, Deputy Managing Director der Deutsch-Iranischen Industrie- und Handelskammer äußert sich bei einem Gespräch über die Entwicklung der Wirtschaft und die Chancen für deutsche Unternehmen nach der Wahl.

IHK: Herr Alizadeh, merken Sie ein steigendes Interesse von deutschen Unternehmen?
Ja, auf jeden Fall. Dies erkennt man an der großen Anzahl von Iran-Veranstaltungen und die zahlreichen Anfragen, die uns gestellt werden. Über 40 deutsche Delegationen kamen seit dem Implementation Day. Auch die Messen sind gut besucht z. B. die Rail Expo, an der 53 deutsche Aussteller letzte Woche teilgenommen haben, ein Rekord laut dem Verband der Bahnindustrie in Deutschland. Bei der letzten Ölmesse haben deutsche Unternehmen mit 113 Ausstellern den zweitgrößten Stand nach den Chinesen gehabt.

IHK: Wie ist der Implementation Day für deutsche Unternehmen spürbar? Sind alle Sanktionen aufgehoben oder sind nur minimale Erleichterungen auf dem Papier festzustellen?
Die Importabwicklung ist zwar etwas einfacher geworden aber weiterhin mit Kosten verbunden, vor allem die Zahlungsabwicklung. Ein Grund dafür ist, dass das iranische Bankensystem noch nicht dem internationalen Standard entspricht. Des Weiteren haben viele europäische Banken Angst vor amerikanischen Sanktionen, wenn sie Transaktionen mit dem Iran abwickeln. Dies ist auch bei deutschen Firmen zu spüren. Manche teilen diese Befürchtung, andere wiederum lassen sich nicht einschüchtern und weiten ihre Geschäfte aus.

IHK: Merken Sie eine gewisse Sättigung seitens der Firmen?
Auf gar keinen Fall. Die Art der Delegationen hat sich verändert. Uns besuchen etwas kleinere aber dafür spezifischere Delegationen. Aber die Euphorie von Anfang 2016 ist nicht mehr ganz so groß.

IHK: Bei der Wahl am 19.05. 2017 wurde Herr Hassan Rohani wiedergewählt. Was erhofft sich die Deutsch-Iranische IHK?
Die AHK hofft, dass die positive Entwicklung der letzten zwei Jahre weitergeht.

IHK: Sind die Reformen von Herrn Rohani bereits spürbar?
Jein. Ab und zu und hier und da schon seit 2016. Aber es dauert noch, bis diese ihre Früchte tragen. Neue Flugzeuge und erste Produkte im Automobilbereich wurden geliefert. Ein Riesenerfolg von Herrn Rohani ist die Senkung der Inflation. Zwischen 2013 und 2016 ist die Inflation von 40 % auf 8 % gesunken. Es braucht aber Zeit (ein bis zwei Jahre) bis die Kaufkraft wieder das Niveau von 2008 erreicht. Die Wirtschaftskrise von 2012 / 2013 war extrem. Zuerst fand eine Rezession statt. Hinzu kam die Ölkrise mit dem Verfall des Ölpreises im Jahre 2015. Erst 2016 gab es wieder ein hohes Wachstum von 7 %.

IHK: Welche Chancen bedeutet die Wahl für den Außenhandel?
Die Entwicklung soll vorangetrieben werden. Die Reformen müssen fortgesetzt werden. Die Märkte werden sich öffnen. Bereits 2016 sah man eine positive Entwicklung des Außenhandels mit Europa. Während der Außenhandel mit Deutschland um 30 % (2015-2016) gestiegen ist, ist im selben Zeitraum der Außenhandel mit China um 8 % gesunken. Die Iraner arbeiten lieber mit deutschen Firmen und sind bereit, mehr Geld für Produkte von besserer Qualität aus Deutschland zu zahlen. Die Probleme mit den Banken und den Visen müssen aber auch gelöst werden.

IHK: Auf welche Rahmenbedingungen sollten sich deutsche Unternehmen bei ihrem Iran-Geschäft nun einstellen?
Die Strukturreformen werden fortgesetzt. Die Korruption muss bekämpft und die Wettbewerbsfreiheit vorangetrieben werden, um deutsche Investoren anzulocken. Große Unternehmen im Bereich Bau und Chemie und einige Firmen der Solarenergie haben bereits Werke eingerichtet. Herzlichen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Frédéric CARRIERE Referent Auslandsmärkte und Zoll bei der IHK Südlicher Oberrhein!

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Amir Alizadeh

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